Hollywood kupfert gern von Europa ab – auch von der Schweiz

29. März 2022 08:31, fts, klm

«Coda» auf der Erfolgswelle: Der Film mit Emilia Jones in der Hauptrolle hat den Oscar für den besten Film gewonnen. 
«Coda» auf der Erfolgswelle: Der Film mit Emilia Jones in der Hauptrolle hat den Oscar für den besten Film gewonnen. 
KEYSTONE
Hier sieht man die Darsteller und die Crew von «Coda», die an der Oscar-Verleihung den Preis entgegennehmen. 
Hier sieht man die Darsteller und die Crew von «Coda», die an der Oscar-Verleihung den Preis entgegennehmen. 
Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
«Coda»-Star Troy Katsur punktete als der taube Vater Frank. Er wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
«Coda»-Star Troy Katsur punktete als der taube Vater Frank. Er wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
KEYSTONE
So sieht die Familie im Original aus: François Damiens, Louane Emera, Karin Viard und Ilian Bergala in «La Famille Bélier». 
So sieht die Familie im Original aus: François Damiens, Louane Emera, Karin Viard und Ilian Bergala in «La Famille Bélier». 
Jerico
Mads Mikkelsen feiert im oscarprämierten dänischen Film «Another Round» mit drei von seinen Freunden den Alkohol. In der geplanten amerikanischen Version soll Leonardo DiCaprio diese Rolle übernehmen. Bis heute haben die Dreharbeiten aber nicht begonnen. 
Mads Mikkelsen feiert im oscarprämierten dänischen Film «Another Round» mit drei von seinen Freunden den Alkohol. In der geplanten amerikanischen Version soll Leonardo DiCaprio diese Rolle übernehmen. Bis heute haben die Dreharbeiten aber nicht begonnen. 
Zentropa Entertainments
Heinz Rühmann (l.) in «Es geschah am hellichten Tag», seine Rolle wurde in der Hollywood-Produktion «The Pledge» mit Jack Nicholson besetzt.
Heinz Rühmann (l.) in «Es geschah am hellichten Tag», seine Rolle wurde in der Hollywood-Produktion «The Pledge» mit Jack Nicholson besetzt.
Praesens Film/Morgan Creek Entertainment
«Intouchables» mit François Cluzet (l.) und Omar Sy war einer der erfolgreichsten französischen Filme überhaupt. Im Remake «The Upside» übernahmen Komiker Kevin Hart und Bryan Cranston die entsprechenden Rollen.
«Intouchables» mit François Cluzet (l.) und Omar Sy war einer der erfolgreichsten französischen Filme überhaupt. Im Remake «The Upside» übernahmen Komiker Kevin Hart und Bryan Cranston die entsprechenden Rollen.
Quad Productions/Escape Artist
Susanne Lothar (l.) spielt in Michael Hanekes verstörendem Film «Funny Games» die Mutter der Familie. In «Funny Games U.S.» mimte Naomi Watts die Mutter Anna.
Susanne Lothar (l.) spielt in Michael Hanekes verstörendem Film «Funny Games» die Mutter der Familie. In «Funny Games U.S.» mimte Naomi Watts die Mutter Anna.
Filmfonds Wien/Celluloid Dreams
Eine Seltenheit: Penélope Cruz einmal im spanischen Original «Abre los ojos» (l.) und dem amerikanischen Remake «Vanilla Sky».
Eine Seltenheit: Penélope Cruz einmal im spanischen Original «Abre los ojos» (l.) und dem amerikanischen Remake «Vanilla Sky».
Canal+/Paramount Pictures
Thierry Lhermitte und Miou-Miou im französischen Film «La Totale!» und entsprechend Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis im Hollywood-Remake «True Lies».
Thierry Lhermitte und Miou-Miou im französischen Film «La Totale!» und entsprechend Arnold Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis im Hollywood-Remake «True Lies».
Film Par Film/Twentieth Century Fox

Hast du gewusst, dass der Oscar-Gewinner «Coda» auf der französischen Komödie «La Famille Bélier» basiert? Der Film ist nicht das einzige Hollywood-Werk mit europäischen Wurzeln. 

«Coda» ist der beste Film von 2021. Dieser Meinung ist jedenfalls die Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Die Drama-Komödie konnte am 28. März den Oscar für den besten Film nach Hause nehmen.

Der Film dreht sich um die hörende Schülerin Ruby (Emilia Jones), die in einer Familie von Gehörlosen aufwächst. Als sie älter wird, muss sie ihren Wunsch, Sängerin zu werden, mit der stillen Welt, in der sie aufgewachsen ist, vereinen.

Unverdient ist der Sieg bei den Oscars nicht. «Coda» ist durchaus solide. Wirklich etwas Neues macht der Film aber auch nicht. Was viele dabei gar nicht wissen: «Coda» ist ein Remake des französischen Hits «La Famille Bélier».

«Intouchables» hätte kein Remake gebraucht

«Coda» zeigt einmal mehr den Hollywood-Drang, preisgekrönte europäische Filme kurz nach Veröffentlichung selbst neu zu drehen. Das geht, wie bei «Coda», manchmal ganz gut. Doch beispielsweise im Fall von «Intouchables», dem französischen Meisterwerk, kann man die amerikanische Version («The Upside») getrost in die Tonne treten.

Auch ein Schweizer Film fiel den Amerikanern «zum Opfer» – dies in Anführungszeichen, weil sie da brilliert haben. «Es geschah am hellichten Tag» von Friedrich Dürrenmatt erhielt die Hollywood'sche Behandlung und wurde unter der Regie von Sean Penn und dem Titel «Das Versprechen» neu verfilmt.

Einige der grössten Filme sind «geklaut»

Natürlich braucht Hollywood in diesen Fällen immer den Segen der Macher des Originals, manchmal werden dabei sogar dieselben Regisseure angeheuert. Beim österreichischen Film «Funny Games» von Michael Haneke führte selbiger Regie beim amerikanischen Remake. Der Titel? «Funny Games U.S.». Statt dem deutschen und österreichischen Cast findet sich da unter anderem Naomi Watts in einer tragenden Rolle.

Zwischen diesen beiden Versionen des Films liegen zudem immerhin zehn Jahre. Das Original stammt von 1997, das Remake von 2007. Beim Kultfilm «Vanilla Sky» vergingen gerade mal vier Jahre zwischen den beiden Versionen. Dabei skurril: Im spanischen Original «Abre los ojos» spielt Penélope Cruz dieselbe Rolle wie im Remake mit Tom Cruise – einmal auf Spanisch und einmal auf Englisch.

Manchmal ist es schlicht eine Hommage

Einige frühe Werke der Filmgeschichte haben einen solchen kulturellen Wert und eine Wichtigkeit für die Filmbranche, dass sie andere Regisseure inspirieren. So etwa Akira Kurosawas Magnum Opus «Seven Samurai» (1954). Dieser Film beeinflusste Regisseure über Dekaden, eine erste Hommage verfilmte John Sturges bereits 1960 unter dem Titel «The Magnificent Seven».

Weitere Filme, die nicht den Gehirnwindungen eines Autors in Hollywood entsprungen sind, wären ausserdem «True Lies» (1994) mit Arnold Schwarzenegger. Jener beruht auf dem französischen Original «La Totale!» (1991). «The Departed» (2006) von Martin Scorsese ist ein Remake eines Films aus Hongkong mit dem Titel «Infernal Affairs» (2002). Terry Gilliams «12 Monkeys» (1995) mit Brad Pitt und Bruce Willis in den Hauptrollen folgt dem französischen Original «La Jetee» von 1962.

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Ohrfeigen-Einschätzung: Hat Will Smith seinen Oscar noch verdient?

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