Zwei Verrückte verderben den Brei nicht

23. März 2022 13:19, Bruno Bötschi

Clara (Miriam Leone) und Diego (Stefano Accorsi) wollen ein Restaurant eröffnen, dabei kommen ihnen jedoch ihre psychischen Probleme immer wieder in die Quere.
Clara (Miriam Leone) und Diego (Stefano Accorsi) wollen ein Restaurant eröffnen, dabei kommen ihnen jedoch ihre psychischen Probleme immer wieder in die Quere.
Bild: Netflix

«Die Augen von Marilyn» ist eine italienische Tragikomödie – manchmal kann man dabei weinen, aber noch viel mehr lachen. Guter Stoff für einen Filmabend ohne Tote.

Kein Mord und kein Totschlag, bitte! Und ich hatte auch keine Lust auf eine neue Drogen-TV-Serie. Der Besuch meiner Lieblingsbar kam ebenfalls nicht infrage, weil das Virus da draussen gerade wieder verrückt spielt.

Ich nahm also die Fernbedienung in die Hand und fing an zu zappen – bis ich irgendwann in die Augen von Marilyn blickte. Nicht die von Marilyn Monroe, aber dazu später mehr.

Ja, ich hatte gestern Abend Lust auf gefühlvolle Kost, gern gewürzt mit einer Prise Humor. Und so landete ich in den Kochtöpfen von Clara (Miriam Leone) und Diego (Stefano Accorsi), die zusammen ein Restaurant eröffnen wollen.

Chaos, Lügen und Wutanfälle

Clara und Diego verbindet die Liebe zum Essen. Es gibt nur ein Problem: Beide haben psychische Probleme und gehen deshalb regelmässig zur Gruppentherapie.

Aber sich deswegen seine Träume zerstören lassen? Sicher nicht.

Clara ist eine chaotische Person, hat Schwierigkeiten mit der Selbstkontrolle und ist so gut im Lügenerzählen geworden, dass sie ihre eigenen Fantastereien inzwischen selbst glaubt.

Diego dagegen ist eine fast zu ehrliche Haut, leidet unter Wutanfällen, Psychosen und hat Angst davor, seine Teenager-Tochter nicht mehr sehen zu dürfen.

Und dann wären da noch die Kolleg*innen aus der Gruppentherapie, die beim Aufbau des Restaurants Monroe – damit wäre auch der Filmtitel erklärt – mithelfen sollen.

Wie viel Salz ist erlaubt?

Die Darstellung von psychisch kranken Menschen in Filmen führt immer wieder zu Diskussionen. Wie viel Salz, wie viel Pfeffer darf in die Wunden gestreut werden?

Filmemacher Simone Godano beweist mit seinem Film «Die Augen von Marilyn» (Originaltitel: Marilyn ha gli occhi neri) Fingerspitzengefühl. Momoll, er fand meines Erachtens genau die richtige Mischung.

Es wird viel geschrien im Film und die Pasta fliegt zuerst in den Abfall, bevor sie den Gästen serviert wird. Aber genau das ist es, was diesen Film so wunderbar macht: die Gefühlsautobahn. Und trotz allem geht er nicht vergessen, der Glaube an die eigenen Träume.

Menschen mit Behinderung nicht ausgrenzen 

Ich musste weinen, während ich den Film sah. Ich konnte aber noch mehr lachen und hatte dabei nie das Gefühl, ich würde jemanden auslachen wegen seiner psychischen Unzulänglichkeiten.

Die grösste Diskriminierung wäre, wenn man Behinderte ausgrenzt. Auch beim Humor finde ich, sollte man Menschen mit Behinderung nicht ausgrenzen.

Und so gehe ich einig mit Akiva Goldsman, Drehbuchautor von «A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn» (2001), der einmal sagte: «Filme, in denen es um psychische Störungen geht, sind wie ein Besuch im Zoo. Sie können wunderbar sein, aber im Grunde schaut man als gesunder Mensch zu, wie sich psychisch kranke Menschen verhalten.»

Und weiter: «Wenn wir die Welt so sehen könnten, wie psychisch Kranke sie wahrnehmen, hätten wir ein ganz anderes Bild von diesen Menschen. Wenn aber auch nur ein einziger Zuschauer aus dem Kino kommt und an der Strassenecke jemanden schreien sieht, und ihn mit anderen Augen betrachtet als vor dem Film, dann haben wir unsere Aufgabe erfüllt.»

Ich finde, Regisseur Simone Godano hat die Aufgabe wunderbar erfüllt, äh, perfekt abgeschmeckt.

«Die Augen von Marilyn» gibt es seit wenigen Tagen auf Netflix zu sehen.

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