Deshalb zeigen Putin-Anhänger den Buchstaben Z

8. März 2022 13:02, uri

Selenskyj: «Ich bleibe in Kiew»
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Selenskyj: «Ich bleibe in Kiew»

In einem neuen Video zeigt sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj weiterhin in der Hauptstadt. Er verstecke sich nicht. Währenddessen versuchen russische Truppen weiter auf Kiew vorzurücken.

Der Buchstabe Z prangt auf russischen Panzern und Militärfahrzeugen – und auf der Kleidung von Unterstützern von Putins Krieg in der Ukraine. Das Symbol kann viele Bedeutungen haben – und bietet sich gerade deshalb zu Propagandazwecken an. 

Der russische Turner Iwan Kuliak löste kürzlich beim Weltcup in Doha, Katar, einen Skandal aus: Bei der Siegerehrung hatte der 20-Jährige auf seinem Trikot demonstrativ den Buchstaben Z als Zeichen seiner Unterstützung für den Krieg Russlands in der Ukraine angebracht. Ihn erwarten nun schwere Konsequenzen durch den Weltturnverband FIG.

Der Buchstabe Z ist derzeit neben dem Buchstaben V auf vielen russischen Panzern zu beobachten und inzwischen auch auf zivilen Fahrzeugen im russischen Strassenverkehr. Daneben findet er sich als Abzeichen auf der Kleidung von Unterstützern und Unterstützerinnen des russischen Einmarsches in der Ukraine und prangt sogar auf Fassaden von Behördengebäuden in verschiedenen Regionen Russlands, wie der «Spiegel» berichtet. Zuletzt sah man den Buchstaben zudem auf pro-russischen Demonstrationen im serbischen Belgrad.

Unterstützer von Putins Angriff auf die Ukraine in Belgrad, Serbien, halten auf einer Demonstration ein Schild mit einem weissen Z in die Höhe. 
Unterstützer von Putins Angriff auf die Ukraine in Belgrad, Serbien, halten auf einer Demonstration ein Schild mit einem weissen Z in die Höhe. 
Bild: Anadolu Agency via Getty Images

Erstmals war der Buchstabe Z laut dem Nachrichtenmagazin im Februar auf russischen Militärfahrzeugen und Panzern noch kurz vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine aufgefallen. Und seither wird sowohl über die militärische als auch symbolische Verwendung des Buchstabens  – den es im kyrillischen Alphabet gar nicht gibt – spekuliert. 

Russlands Verteidigungsministerium liefert Erklärungen

Zunächst, so der «Spiegel», wurde vermutet, dass das Z für ZVO «Zapadnyj voennyj okrug», den westlichen Militärbezirk Russlands, stehe. Auch ukrainische Medien hätten über diese Bedeutung spekuliert und weitere Buchstaben wie das V den Marineeinheiten zugeordnet und X für Truppen aus Tschetschenien. Allerdings hätten Bilder inzwischen auch tschetschenische Einheiten sowohl mit dem Buchstaben Z als auch V gezeigt, was diese Deutung infrage stellt.

Anfang März schliesslich postete das russische Verteidigungsministerium selbst auf Instagram Hinweise zur Bedeutung der Buchstaben Z und V. Demnach soll das Z für «Za Pobedu» stehen, was übersetzt etwa «Auf den Sieg» bedeutet. Das V stehe indes nicht für das gängige Victory (englisch für Sieg), wie viele annahmen, sondern soll für «Sila v pravde», was übersetzt «In der Wahrheit liegt die Kraft» bedeute oder auch «Zadacha budet vypolnena» (Deutsch: «Die Aufgabe wird erfüllt»). Laut dem «Spiegel» nimmt die Armeeführung dabei offensichtlich die englische Transkription der russischen Buchstaben «з» und «в» als Grundlage für seine Herleitungen.

Zudem habe das russische Verteidigungsministerium inzwischen noch weitere Varianten gepostet, in denen der Buchstabe Z gross und in der Farbe Weiss in den Worten «Demilitarization» und «Denazification» herausgestellt werde. Laut Wladimir Putin sollen das die Ziele der russischen Invasion in der Ukraine sein.

Russischer Panzer mit weissem Z am 24. Februar in der Region Donezk. (Archiv)
Russischer Panzer mit weissem Z am 24. Februar in der Region Donezk. (Archiv)
Bild: Sputnik via AFP

Praktische Funktion und politische Symbolik

Eine weitere Lesart der Buchstaben erläuterte zudem der Militärexperte und Journalist Thomas Wiegold dem Westdeutschen Rundfunk WDR. Er verwies darauf, dass die Buchstaben zwei Bedeutungen zugleich haben könnten: Einerseits würden sie demnach die Zugehörigkeit von Militärfahrzeugen markieren. «Das ist in der Region wichtig, weil die Ukraine oft dieselben Fahrzeuge hat wie Russland – nämlich sowjetische», sagte Wiegold. Entsprechend könne man den Beschuss durch eigene Kräfte verhindern.

Eine weitere Erklärung dürfte seiner Meinung nach sein, dass die Buchstaben Regionen zugeordnet seien – und zwar entweder einer, aus der die Fahrzeuge kommen – oder einer, in die sie fahren. Diese wahrscheinlichen Deutungen, so Wiegold, würden aber nicht ausschliessen, «dass die Buchstaben politisch anders gedeutet werden».

Trotz aller Unklarheiten ist der Buchstabe Z inzwischen in jedem Fall zu einem deutlichen Instrument der russischen Kriegspropaganda geworden. So popularisiert etwa die Duma-Abgeordnete Maria Butina – die im Jahr 2018 in den USA als Verschwörerin und Agentin verurteilt wurde – das Z auf Facebook. Sie veröffentlichte hier ein Video, in dem sie das Z auf die eigene Kleidung zeichnet. Dazu schreibt sie: «Unterstützt mit uns die Armee und unseren Präsidenten. Mache ein Z auf deine Kleidung.»

Ukrainische Streitkräfte nutzen den Buchstaben längst für eigene Zwecke und pinseln auf unschädlich gemachte russische Panzer rund um das «Z» in derber Sprache: «Putinu pizdez» (englisch transkribiert) – auf Deutsch etwa: «Putin, du bist im Arsch.» Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa.