So kannst du jetzt helfen

3. März 2022 15:20, Von Maximilian Haase und Andreas Fischer

Ukrainische Flüchtlinge kommen im Hauptbahnhof Zürich an
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Ukrainische Flüchtlinge kommen im Hauptbahnhof Zürich an

Meist aus Wien kommend reisen derzeit meist zweimal täglich Flüchtlinge aus der Ukraine mit dem Zug nach Zürich. In der Regel befinden sich zwischen 30 und 50 Flüchtlinge in den betreffenden Zügen.

Die ersten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sind in der Schweiz. Bund und Kantone helfen unbürokratisch, und die Solidarität der Bevölkerung ist gross. Das kannst du jetzt konkret tun.

Millionen Menschen fliehen vor dem Krieg in der Ukraine; die UNO rechnet aktuell mit bis zu fünf Millionen Geflüchteten. Wie viele davon hierzulande Zuflucht suchen werden, ist laut Staatssekretariat für Migration (SEM) noch nicht abzuschätzen. In den Schweizer Bundesasylzentren sind bis am Montag, 7. März, mehr als 800 Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. Wie viele es insgesamt seien, wisse man nicht, da Menschen mit einem ukrainischen Pass bewilligungsfrei einreisen und bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können.

Bund, Kantone und Städte bereiten derweil die Aufnahme und Versorgung Tausender Kriegsflüchtlinge vor. Dabei ist die Unterstützung der Bevölkerung willkommen. «Wir freuen uns über die enorme Hilfsbereitschaft, und dass sich so viele Menschen engagieren möchten», sagt Peter Meier von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) zu blue News. Die Welle der Solidarität sei «überwältigend». Du willst dich auch engagieren? So kannst du jetzt helfen. 

«Geldspenden sind für eine wirksame Hilfe am besten geeignet», informiert die Caritas. Und die Schweizer*innen scheinen das eindrücklich zu beherzigen: Allein die Glückskette hat bislang mehr als 30 Millionen Franken gesammelt. Unterstützt werden Hilfsorganisationen in der Ukraine sowie die Geflüchteten in Nachbarländern wie Polen. Hier kannst du spenden. 

Sie sei «unglaublich berührt von der Solidarität der Schweizerinnen und Schweizer», wird Glückskette-Direktorin Miren Bengoa in einer Mitteilung zitiert. Angesichts der humanitären Krise, die sich von Tag zu Tag verschärft, führt die Glückskette am Mittwoch, 9. März, einen «nationalen Solidaritätstag» für die ukrainische Bevölkerung durch.

In Partnerschaft mit der SRG will die Glückskette über die TV- und Radiokanäle sowie online von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr abends zu Spenden aufrufen. Bekannte Persönlichkeiten und Freiwillige nehmen Spendenversprechen per Telefon entgegen. Die Spenden werden aktuell vor allem für die Unterstützung von Geflüchteten in den Nachbarländern der Ukraine verwendet, um warme Mahlzeiten, Hygieneartikel, medizinische Soforthilfe und Notunterkünfte zu finanzieren.

Menschen aus der Ukraine kommen am Bahnhof von Przemysl in Polen an. Auch die Schweiz erwartet Kriegsflüchtlinge.
Menschen aus der Ukraine kommen am Bahnhof von Przemysl in Polen an. Auch die Schweiz erwartet Kriegsflüchtlinge.
Bild: Keystone/AP/Petr David Josek/AP

Auch das Schweizerische Rote Kreuz sammelt Spenden, um Geflüchteten zu helfen, vor allem über die Rotkreuz-Organisationen vor Ort. Die Caritas hat ebenfalls ein Spendenkonto eingerichtet und unterstützt die Ukraine-Flüchtlinge mit einem Nothilfebetrag von 1,5 Millionen Franken. Man konzentriere sich «auf humanitäre Hilfe vor Ort in der Ukraine und in Polen, die wir dank Spenden aus der Schweiz unterstützen können», sagt Elisabeth Karagiannis von der Caritas zu blue News. Dank langjähriger Präsenz und lokaler Vernetzung könne die Nothilfe sofort vorbereitet und umgesetzt werden.

Einen Teil der Spenden verwenden manche Organisationen auch für die Geflüchteten, die in der Schweiz aufgenommen werden. So will Caritas Zürich Familien im Alltag und bei der Integration helfen; bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe sollen mit den Geldern regionale Strukturen zur Vermittlung von Gastfamilien aufgebaut werden (siehe unten).

Auch weitere und kleinere Hilfsorganisationen rufen zum Spenden auf. Ob eine Organisation seriös ist, lässt sich am sogenannten Zewo-Zertifikat erkennen – vergeben von einer Zürcher Zertifizierungsstelle, die regelmässig die Einhaltung bestimmter Standards kontrolliert. Hier findet sich eine Übersicht der Hilfsorganisationen, an die du laut Zewo für die Ukraine bedenkenlos spenden kannst. Dazu zählen auch die Heilsarmee und das Hilfswerk der evangelischen Kirchen (Heks).

Von Sachspenden für die Menschen in der Ukraine raten Hilfsorganisationen derzeit mehrheitlich ab. Vor allem Kleiderspenden sind nicht mehr nötig: «Die Abwicklung von Sachspenden ist sehr zeitintensiv, der Transport teuer und die Logistik aufwendig», teilt Elisabeth Karagiannis von der Caritas mit. Zudem bestehe die Gefahr, dass gewisse Güter im Überfluss angeliefert werden, während andere fehlen. Die Hilfsgüter können demnach vor Ort günstiger beschafft werden. Sachspenden nehme man deshalb vorerst nicht an.

Ähnlich argumentieren auch andere Organisationen, etwa das Rote Kreuz. Hier heisst es mit Blick auf Sachspenden aber auch: «Sollte sich dies aufgrund der Situation in den kommenden Wochen ändern, würden wir einen Anruf auf unserer Homepage und über unsere sozialen Medien kommunizieren.»

Hilfsgüter sammeln sei nur «unter bestimmten Bedingungen hilfreich», bestätigt auch Peter Meier von der SFH. Bei Sachspenden brauche es zuvor eine «sorgfältige Abklärung der Bedürfnisse». 

Die Hilfsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung, Geflüchtete auch privat aufzunehmen, nennt Peter Meier «beeindruckend». Die Aufnahme bei Privatpersonen ist möglich und von Bund und Kantonen sogar erwünscht. Mitarbeitende der Schweizerischen Flüchtlingshilfe sind zu diesem Zweck in den Bundesasylzentren vor Ort und koordinieren Unterkünfte für Ukrainerinnen und Ukrainer bei privaten Gastgebern oder in kantonalen Strukturen, «wie die Kriegsflüchtlinge in die Schweiz kommen können und welchen Aufenthaltsstatus sie hier erhalten».

Für die Aufnahme und Verteilung der Geflüchteten sind Bund und Kantone zuständig. Geflüchtete aus der Ukraine dürfen momentan 90 Tage visumfrei in der Schweiz bleiben. «Während dieser Zeit ist eine private Unterkunft ohne Weiteres möglich», informiert das Staatssekretariat für Migration (SEM) – sofern sie kostenfrei angeboten wird. Nach diesem Zeitraum kommt es auf den Aufenthaltsstatus der Geflüchteten an. 

Nach der Ankündigung in der Vorwoche will der Bundesrat in den nächsten Tagen den Schutzstatus S für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in Kraft setzen. Damit können Geflüchtete rasch ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz erhalten, ohne dass sie ein ordentliches Asylverfahren durchlaufen müssen. Sie haben laut SEM Anspruch auf Unterbringung, Unterstützung und medizinische Versorgung. Der Nachzug von Familienangehörigen ist erlaubt, Kinder können zur Schule gehen und es besteht die Möglichkeit, nach einer Wartezeit von höchstens drei Monaten eine bewilligungspflichtige Erwerbstätigkeit auszuüben.

Da Geflüchtete unentgeltlich aufgenommen werden, gelten sie im Schweizerischen Mietrecht als Gäste, erklärt Sabina Meier, Geschäftsleiterin des Mieterinnen- und Mieterverbands Kanton Bern, auf Nachfrage. «Sie können ohne Einschränkungen aufgenommen werden.» Die Aufnahme von Geflüchteten sei nicht bewilligungspflichtig, und Mieter*innen seien gegenüber ihren Vermieter*innen nicht auskunftspflichtig, wen sie zu Besuch haben. Wichtig sei, so Meier, dass man Rücksicht auf die Nachbarn nehme. Für das gute Verhältnis zwischen Vermieter*innen und Mieter *innen sei es nicht verkehrt, Rücksprache zu halten.

Aufnahmewillige können sich bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe registrieren oder sich an die Gemeinde oder an den Kanton zu wenden. Zentrale Anlaufstellen dafür gibt es etwa bereits in Zürich. Eine ähnliche Vermittlungsplattform existiert auch in Basel-Stadt.

Auch bei anderen Onlineplattformen können sich Schweizer*innen melden, die Geflüchtete aus der Ukraine unterbringen wollen: Auf der Homepage der Organisation Campax kann man zu diesem Zweck einen Fragebogen ausfüllen. Es gehe darum, Flüchtende in der Not bei sich zu Hause aufzunehmen, «wenn die offiziellen, behördlichen Möglichkeiten nicht ausreichen». 

Formelle Anforderungen gebe es dafür grundsätzlich nicht. Wichtig sei, dass pro drei erwachsenen Personen mindestens ein Zimmer verfügbar sei. Wohnzimmer oder Keller zählten nicht als Zimmer. Die Geflüchteten sollten zudem Zugang zur Küche und zum Badezimmer haben. Als Gastgeber*in sollte man darauf eingestellt sein, die Geflüchteten für mindestens drei Monate aufzunehmen.

Sind die Geflüchteten einmal an- und untergekommen, geht es daran, den Alltag und die Integration in die Schweizer Gesellschaft voranzubringen. Hilfsbereite Menschen könnten sich laut Peter Meier von der SFH schon jetzt «in den Gemeinden und Quartieren organisieren, um bereits Unterstützungsangebote vorzubereiten für Geflüchtete, die ankommen werden». Dazu zählten etwa Übersetzungsangebote, Deutschkurse und Kinderbetreuung. 

Auch das Schweizerische Rote Kreuz sei «mit Hochdruck daran, sich auf die Ankunft von geflüchteten Menschen aus der Ukraine vorzubereiten». Zum jetzigen Zeitpunkt sei es aber noch zu früh, um den Einsatz von Freiwilligen zu koordinieren.

Apotheker überreicht medizinische Hilfsgüter an ukrainische Botschaft
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