«Wir sollten uns nicht allzu viel auf unser Tierschutzgesetz einbilden»

9. Feb. 2022 16:13, Gil Bieler und Céline Engeler

«Es ist sicher angezeigt, dass wir unser Verhältnis zu Tieren überdenken»
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«Es ist sicher angezeigt, dass wir unser Verhältnis zu Tieren überdenken»

Die Schweiz diskutiert so intensiv über Tierversuche wie nie. Sind Tierversuche noch zeitgemäss, und hat die Schweiz wirklich eines der strengsten Gesetze? Hanno Würbel, Präsident der Tierversuchsethik-Kommission, gibt Antworten.

Die Schweiz diskutiert so intensiv über Tierversuche wie nie – und befindet am Sonntag über ein Verbot. Sind Tierversuche noch zeitgemäss, und hat die Schweiz wirklich eines der strengsten Gesetze? Ein Experte antwortet.

Sollen Tierversuche komplett verboten werden? Darüber befindet am Sonntag das Schweizer Stimmvolk. In Basel steht ausserdem die Frage an, ob auch Primaten Anspruch auf Grundrechte haben sollten. Was sagen diese beiden Vorlagen über das Verhältnis der Gesellschaft zu Tieren aus? Das und mehr wollte blue News von Hanno Würbel wissen.

Würbel ist Präsident der Kommission für Tierversuchsethik. Diese ist ein Projekt der Akademien der Naturwissenschaften (SAMW) und der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) und setzt sich aus Vertreter*innen aus den Bereichen Grundlagenforschung, Veterinärmedizin, Tierschutz, Recht und Ethik zusammen und erstellt Empfehlungen im Bereich der Tierversuche. Ausserdem leitet Würbel die Abteilung Tierschutz an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern.

Hinter der Initiative für ein Verbot von Tierversuchen stehen private Tierschützer*innen. Im Video unten legen sie ihre Argumente dar: So seien Tierversuche ethisch nicht zu rechtfertigen und medizinisch ineffizient.

Renato Werndli, Hausarzt und Mitinitiant, bemängelt auf Anfrage von blue News, dass nicht über die sogenannten Überschusstiere – die zwar für Versuche gezüchtet, aber aus diversen Gründen nicht eingesetzt werden – geredet werde. Daher gebe es viel mehr Versuchstiere, als dies in der offiziellen Statistik des Bundes erkennbar sei. Laut dieser wurden 2020 rund 556'000 Versuchstiere eingesetzt, 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Ganz generell hält Werndli fest: «Jedes Opfer ist eines zu viel und merkt nicht, ob mit ihm noch Millionen andere leiden müssen.»

Komitee kritisiert Tierversuche als unethisch und nutzlos
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Komitee kritisiert Tierversuche als unethisch und nutzlos

Tierversuche seien moralisch nicht zu rechtfertigen – und sie brächten die Forschung nicht voran. Mit diesen Argumenten wirbt das Komitee der Volksinitiative für ein Verbot von Tier- und Menschenversuchen für sein Anliegen.