«Einen Film drehen ist nichts Grünes»

10. Dez. 2021 07:21, SDA

Für "Stürm"-Produzent Ivan Madeo ist ökologisches Drehen nicht komplizierter ist als das Drehen zu Zeiten von Corona.
Für "Stürm"-Produzent Ivan Madeo ist ökologisches Drehen nicht komplizierter ist als das Drehen zu Zeiten von Corona.
Keystone

Umweltschutz und Filmemachen gehören noch kaum zusammen. Das muss und wird sich ändern, sagt der Berner Produzent Ivan Madeo («Stürm»). Doch was bedeutet «grüne Produktion» überhaupt?

Was haben die Schauspieler gegessen während der Dreharbeiten? Sind die Schauspielerinnen mit dem Zug oder dem Flugzeug ans Set gereist? Und: Wie viel CO2 hat dieser Film verbraucht?

Solche Fragen stellen sich die wenigsten Zuschauerinnen und Zuschauer, wenn sie im Kino oder vor dem Fernseher sitzen – die Themen Umweltschutz und Film gehören in der öffentlichen Wahrnehmung nicht zusammen.

Zunehmend anders ist das für die Filmproduzenten. Einer davon ist Ivan Madeo von Contrast Film. Madeo leitet die im Jahr 2009 gegründete Produktionsfirma mit Niederlassungen in Zürich und Bern gemeinsam mit Stefan Eichenberger und Urs Frey. Ihr neues Werk, «Stürm: Bis wir tot sind oder frei», läuft momentan in den Schweizer Kinos.

Dieser Film war es auch, der Madeo und sein Team vor rund drei Jahren handfest mit dem Begriff der «grünen Produktion» in Kontakt gebracht hat. «‹Stürm› ist eine schweizerisch-deutsche Koproduktion», so Madeo. «Deutschland ist im Bereich der umweltfreundlichen Filmherstellung Bereich bereits viel weiter als wir in der Schweiz. Wir wurden damals quasi gezwungen, uns damit auseinanderzusetzen», sagt er – und ergänzt: «Das ist auch gut so.»

Grüne Planung bis ins kleinste Detail

Was heisst das denn nun konkret, «möglichst ökologisch» filmen? «Drehen an sich ist nichts Grünes», hält Ivan Madeo fest. Wie die Herstellung jeder anderen Ware hinterlasse auch die Filmherstellung eine ökologische Fussspur. Es gehe also darum, diesen Abdruck auf ein Minimum zu reduzieren. «Im Idealfall spart das am Schluss sogar Kosten».

Der Ausbrecherkönig und seine Anwältin: Marie Leuenberger und Joel Basmann überzeugen in «Stürm – Bis wir tot sind oder frei».
Der Ausbrecherkönig und seine Anwältin: Marie Leuenberger und Joel Basmann überzeugen in «Stürm – Bis wir tot sind oder frei».
Bild: Elite Film

Zuerst aber bedeutet es Arbeit, weil jeder einzelne Punkt eines Produktionsplanes, von der Drehvorbereitung über die Dreharbeiten bis zur Postproduktion, auf seine Umweltverträglichkeit hin abgeklopft werde. «Und zwar bis ins kleinste Detail», so Madeo.

Es fange an bei der Organisation von Flügen und dem Ablauf der Drehorte, gehe über zur Frage, welches Beleuchtungsmaterial am Set verwendet werde und ob wirklich jede Schauspielerin und jeder Schauspieler einen eigenen Trailer als Rückzugsort brauche und ende damit, wiederverwendbare Tassen zu verwenden anstatt Einwegbecher, sprich so wenig Abfall wie möglich zu generieren, und darauf zu schauen, dass am Abend alle elektronischen Geräte komplett ausgeschaltet seien.

Flexibilität gehört zum Alltag

Contrast Film hat neben «Stürm» auch zwei Zürcher Tatort-Folgen unter diesem Aspekt realisiert, welche nächstes Jahr ausgestrahlt werden. Das zeige, so Madeo, dass «der grüne Zugang» sowohl bei Auftragsarbeiten als auch bei klassisch geförderten Kino-Produktionen funktioniere. Es mag überraschend klingen, wenn Ivan Madeo sagt: «Es ist eigentlich weniger kompliziert als es klingt.»

Obwohl Menschen Gewohnheitstiere sind, habe er erlebt, dass für praktisch alle Crew-Mitglieder, Schauspielerinnen und Schauspieler die Umstellung erstaunlich einfach sei. Die Filmbranche habe bei den Covid-Schutzmassnahmen bewiesen, wie agil sie sei, so Madeo.

Seit es Kino gebe, musste nie mit Masken, Abständen und Tests gearbeitet werden. Nun sei das seit dem Ausbruch der Pandemie praktisch über Nacht zum gelebten Alltag geworden. «Das ist allen klar und niemand lässt sich davon ablenken oder stören», sagt Madeo. «Flexibel zu sein, sind wir uns gewohnt.»

Filmen ist teuer. «Ein normaler Drehtag kann zwischen 50'000 und 100'000 Franken kosten», so Madeo. Deshalb sei es wichtig, von der Idee, die Gleichung würde grüner = teurer lauten, wegzukommen. Wenn es nämlich gelinge, die Teams zum Beispiel regional zusammenzustellen oder beim Drehen weniger auf der Landkarte herumzuhüpfen, könne bei den Unterkünften und bei den Flügen Geld gespart werden. «Unter dem Strich kann es sich also durchaus auch finanziell lohnen, möglichst ökologisch zu drehen», so Madeo.

*Dieser Text von Raphael Amstutz, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.